Eis auf Bremer Gewässern I

Himmel und Hölle setzten sich vor Kurzem in Bewegung. Nach Jahrzehnten der Knechtschaft unter unfrostbaren Gewässern hat sich ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum aufgetan und für eine halbwegs feste Eisschicht auf Bremer Gewässern gesorgt.

Spätestens in der letzten Woche brach in Bremen der Schlittschuhnotstand aus. In Hamburg sollte es nach Jahren der Entbehrung wieder ein winterliches Alstervergnügen geben. Und die Bremer wollten sich auch nicht lumpen lassen.

Zwar gab es keine offiziellen Festlichkeiten, aber man ging, rutschte oder fuhr mit teuer erstandenen Kufen auf dem Eis herum. Wegen offener Flächen an der ein oder anderen Stellen wurde vom Begehen mancher Flächen abgeraten.

Auf dem Werdersee ließ es sich sehr gut aushalten.

Ich kam eher spät vorbei, sodass die Sonne schon im Untergehen begriffen war. Im Hintergrund sind ein paar Häuser von Habenhausen1 zu sehen.

Aber nicht nur an seichten Stellen wurde gelaufen.

Zum Beispiel um die „Erdbeerbrücke2 herum tummelten sich zahlreiche Menschen. Viele kamen mit dem Fahrrad, das – scheinbar wie verabredet – an einer Stelle am Ufer gelagert wurde.

Die Bojen unter der Brücke konnten sich nicht rühren und mussten ab und an als Sitzgelegenheiten herhalten.

Trotz unpassendem (weil bewegungsreichem) Motiv habe ich versucht, ein paar HDR-Aufnahmen zu machen. Es ließen sich aber nur unbewegliche Dinge zuverlässig einfangen.

Mit ganz unbeweglichen Dingen wie dem Eis an der Fahrrinne des Weserwehrs ließ sich mehr anfangen3.

 

  1. Habenhäuser? []
  2. eigentlich Karl-Carstens-Brücke []
  3. Und natürlich sah es da ganz genau so aus, da ist nichts übertrieben oder geschummelt. []

Achterdieksee und andere eisige Angelegenheiten

Am Achterdieksee kann es noch so Nacht sein, dank angrenzender Straßen mit Beleuchtung ist es nie zu dunkel. Für die Kamera war diese Aufnahme schon bedenklich schwierig und nur intensive Nachpflege führte zu dem entgültigen Resultat.

Insgesamt war es eher so dunkel und farbenfroh wie auf dem folgenden Bild.

An der Reflektion auf dem Wasser ist der Mond schuld. Wer hingegen an den Mustern auf dem Eis schuld ist, ist noch unklar. Die Ermittlungen wurden aufgenommen. Die Eispolizei hat erste Verdächtige befragt, aber noch keine heiße Spur. Ein Sprecher teilte auf Anfrage mit, dass man sich — wie in vielen anderen Fällen — kaum Hoffnung macht, Täter ausfindig zu machen.

Ungefragt teilte er außerdem mit, dass die Selbstmordrate bei der Eispolizei in den letzten Jahren dramatisch zugenommen habe. Entweder haben die Beamten kaum etwas zu tun, weil während der Winter im Norden Deutschlands wenig und selten tiefe Minusgrade herrschen und so kaum Eis zu patroullieren ist. Oder wenn tatsächlich Delikte auftreten, können sie nur selten aufgeklärt werden. Ein Teufelskreis.

Eisblüten

Für manche Pflanzen wurde es in letzter Zeit etwas eisig.

Wasser, das an der dahinterliegenden Hauswand heruntertropfte, verfing sich in der Pflanze und ließ sie unfreiwillig erstarren.

Der Achterdieksee musste schon früher das Handtuch werfen, auch wenn Brüche wie auf diesem Bild angestrengte Versuche der Aktion Rettet den Achterdieksee vor der Vereisung zeigen. Die Aktivisten verbrachten einige Nächte am See und warfen von Zeit zu Zeit Steine und Stöcke in den See. Trotz ihres Engagements unterkühlten sie sich schließlich und mussten für einige Stunden ins Krankenhaus.

Als sie wieder entlassen wurden, kehrten sie sofort zum See zurück, nur um festzustellen, dass er zugefroren war. Daraufhin fielen sie wutentbrannt übereinander her und gaben sich gegenseitig die Schuld an der ausweglosen Situation. Der Streit sorgte schließlich für einen Bruch im Bündnis, sodass im nächsten Jahr aller Wahrscheinlichkeit niemand mehr für den See da sein kann.

Regionen intelligent löschen mit PhotoLine

Das Problem

Man kennt das ja: Im Urlaub schießt man ein überaus einzigartiges Bild, das aus diesem Blickwinkel und mit dieser Motivwahl sicher noch nie vorgekommen ist, und dann hat das Bild einen schwerwiegenden Makel. Schauen wir uns das folgende, exklusive Bild an:

Die Bäume, der dunkler werdende Himmel, die Lichter, alles könnte so gut aussehen … Wäre nicht diese blendende Konstruktion aus Stahl im Weg, dieser Eiffelturm, dieses Ungetüm, das alle sieben Jahre für mehrere Millionen Euro komplett neu gestrichen werden muss, weil man zur Zeit der Erbauung keine Ahnung hatte, dass man Zink als Rostschutz hätte benutzen können.

Jedenfalls muss der weg, auf dem Foto. Für solche Aufgaben kann man entweder Programme kaufen, die mehrere hundert Euro kosten. Man kann es aber auch lassen. Eine Alternative ist PhotoLine1, mit dem man sich um Probleme dieser Art auch kümmern kann.

Auf geht’s

Man öffne also das Bild in PhotoLine und wähle auf der linken Seite das Lassowerkzeug aus, halte die Maus, bis die unterschiedlichen Arten angezeigt werden und wähle das freie Lasso.

Danach ziehe man um den Eiffelturm eine relativ grobe Auswahl. Dabei ist zu beachten, dass nur der Teil oberhalb der Horizontlinie auszuwählen ist, sonst wird es später problematisch. Jetzt könnte man den Turm schon in großen Teilen ausschneiden, aber das klappt nicht gut, weil am unteren Teil der Auswahl Relikte auftauchen würden. Da soll nur Himmel sein, also muss der Ersetzbereich bzw. die Umgebung festgelegt werden. Dazu klickt man auf den entsprechenden Schalter rechts oben in den Werkzeugeinstellungen und zieht eine Auswahl auf, die nur den Himmel umfasst.

Ein Klick auf Objekt entfernen in den Werkzeugeinstellungen sorgt für das Entfernen des Turms im Bereich des Himmels.

Da das Programm Gevatter Zufall mitspielen lässt, kann man den Vorgang wiederholen, wenn das Resultat nicht überzeugt. Das vorläufige Resultat kann so aussehen:

Bei den verbleibenden Stellen sollte man gesondert vorgehen. Neben den Bäumen sind auf dem Bild auch Häuser zu sehen. Also macht es sich gut, die Bereiche, die mit Bäumen aufzufüllen sind getrennt von denen zu bearbeiten, die mit Häusern nachgefüllt werden.

Exemplarisch habe ich das hier mit einem Unterteil der linken Turmseite gemacht:Für die Bäume habe ich links eine Auswahl für die Bäume gemacht, mit der die Auswahl beim Turmrest ersetzt wird. In der Art lassen sich auch die anderen Reste des Turms ersetzt. Und zum Schluss sieht das Bild endlich so aus, wie es sein sollte: turmlos.

Dieser Beitrag ist nur zum Aufzeigen der Features von PhotoLine gedacht und ausdrücklich nicht als Kritik am Eiffelturm oder an großen Bauwerken insgesamt zu verstehen.

  1. Für diese Anleitung wird Version 17 oder höher benötigt []

SPON-Artikel mit sachlicher Diskussion

Entgegen jeder Wahrscheinlichkeit wurde gestern auf dem Online-Ableger von DER SPIEGEL, Spiegel Online (SPON), ein Artikel veröffentlicht, dessen Kommentare trotz eines Reizthemas nicht von Wut, Zynismus und Anschuldigungen durchzogen ist.

Normalerweise müssen die Kommentarspalten bei SPON und anderen Online-Zeitungen sowie Blogs als Spielplatz für gelangweilte Hartz-IV-Empfänger, linke Weltverbesserer/Revolutionäre, von Außerirdischen Entführten, Esoterikern und allgemein Besserwissern herhalten.

Die Äußerungen sind oft launisch, unsachlich und greifen verschiedenste Personen, gerne auch andere Kommentatoren, an. Sachlichkeit und Fairness einzelner Kommentatoren führt im Allgemeinen kaum oder gar nicht zur Verbesserung des Diskussionsniveaus bei.

Unglaubliche Kommentare

In diesem Fall belegten die 24 verschiedenen Kommentatoren jedoch mit nachvollziehbaren Quellnachweisen und Links auf seriöse Quellen ihre Meinungen und Ansichten. Dabei legten sie außerdem außerordentlichen Wert auf ein freundliches Miteinander, machten humorvolle Bemerkungen, die mit Wohlwollen aufgegriffen wurden und gaben sich insgesamt größte Mühe, dem eigentlichen Thema des offensichtlich einseitigen Artikels über die Notwendigkeit von Vorratsdatenspeicherung treu zu bleiben.

Leider ist ein Link auf den entprechenden Artikel nicht mehr möglich. Der Redaktion von SPON schien der Artikel und die dazugehörenden Kommentare so ungewöhnlich, dass der Verfassungsschutz eingeschaltet wurde, um die Kommentatoren zu durchleuchten.

Ein SPON-Insider schrieb auf Anfrage, dass man befürchte, dass die Kommentatoren mit ihren “unsinnig freundlichen” Kommentaren möglicherweise linksextremistische Codes austauschen. Weiter meinte er:

Seit es SPON gibt — und SPON hat schon einige Jahre auf dem Buckel — ist mir ein Artikel mit solchen Kommentaren noch nicht untergekommen. Das ist einfach nur … unheimlich. Mehr kann ich dazu nicht sagen

Der besondere Abenteuerurlaub

Nach dem spektakulären Urteil um das sogenannte Massaker von Haditha (Irak) aus dem Jahr 2005, bei dem nach einem Angriff auf einen US-Convoy offenbar ein Rachefeldzug mit 24 Toten Zivilisten folgte, spielen einige gewaltbereite US.Amerikaner mit dem Gedanken, ihren nächsten Urlaub in den Irak zu verlegen.

Damals verloren die Marines um Staff Seargent Wuterich nach einem Hinterhalt mit einem Toten und zwei Verletzten in den eigenen Reihen scheinbar die Kontrolle und stürmten ohne Rücksicht verschiedene Gebäude. Unter den Opfern dieses Angriffs befanden sich auch Kinder und ein alter Rollstuhlfahrer.

Wuterich wurde nach Aufdeckung der Geschehnisse wegen eines Geständnisses nur mit einer Degradierung bestraft. Wie unproblematisch er persönlich die Angelegenheit sieht, lässt sich an dem folgenden Zitat erkennen1:

[..]The truth is, I don’t believe anyone in my squad, nor any member of of Kilo Co, 3/1/ behaved in any way that was dishonorable or contrary to the highest ideals that we all live by as Marines

Insbesondere diese Aussage lässt manchen unterbeschäftigten Amerikaner keine Ruhe mehr, zum Beispiel Leonard C. aus Texas:

Ich verdiene so gut, dass ich mir eine Herabstufung erlauben kann. Ich muss das noch mit meinem Chef klären, aber wenn der nichts dagegen hat, buche ich meinen ganz persönliche Abenteuerurlaub und kann ganz nebenbei meine Fertigkeiten am G36 verbessern, das ich mir vor kurzem gekauft habe.

Auch James K. aus Arizona denkt über einen Urlaub nach:

Ich hab’ schon ein paar meiner Kollegen überreden können. Die kommen dann mit, um mich zu unterstützen. Ich bin schon ganz aufgeregt. Den Wuterich können wir noch toppen.

George W. Bush hat unaufgefordert Unterstützung angekündigt und sichert den “Hobbyathleten” zu, im Falle von Schwierigkeiten seine schützende Hand über sie zu legen.

Menschenrechtsorganisationen reagierten auf die Ankündigungen der “Urlauber” und der Äußerungen von Bush mit Empörung. Eine gravierende Fehlentscheidung bei der Bestrafung eines offensichtlichen Massakers sollte keinesfalls als Einladung dienen, weitere unmenschliche Verbrechen zu begehen, so ein Sprecher von amnesty international. Auch andere Menschenrechtsorganisationen übten lautstark Kritik an den Plänen.

Die Beschuldigten sind bisher nicht auf die Anmerkungen der Menschenrechtler eingegangen. Leonard C. erwiderte lediglich: Spaß ist, wo der Fun ist.

Bild: 2005 Marine Killings in Haditha, Public Domain

  1. aus oben verlinktem CNN-Artikel []

Geisterhaftes Bremen

Mit einem speziellen Filter ist es mir gelungen, neben den normalen Spaziergängern auf der Hutfilterstraße auch verschiedenste Geister aufzunehmen, die dort scheinbar ebenso wie ihre lebenden Gegenstücke spazieren.

Doch erst nach Einbruch der Dunkelheit, wenn kein Mensch sich mehr nach draußen traut, zeigt Dark Bremen sein wahres Gesicht.

In dieser Hastedter Unterführung befindet sich nicht etwa ein Licht.

Es wirkt nur auf den ersten Blick so. In Wahrheit handelt es sich um eine Lichtsaugmaschine, an deren Einsaugpunkten verständlicherweise Licht zu sehen ist. Wäre diese Anlage nicht installiert, wäre es dort viel heller und freundlicher.

Wenn man manchem Bremer nachts in den Keller schaut, finden sich dort seltsame Dinge, deren Ursprung sich nicht mehr klären lässt.

Was passiert, wenn man die Klingel betätigt?

Wenn auf einem Kellerboden etwas ausläuft, kann es mit der Zeit seltsame Formen bilden …

 

 

Jumbo Schreiner verstorben

Thomas "Jumbo" Schreiner - Hier noch quicklebendig

Thomas “Jumbo” Schreiner, der aus zahlreichen Fernsehformaten bekannte Moderator und Lebemann, ist gestern unerwartet ums Leben gekommen.

Schreiner, der vor allem als “XXL-Tester” verschiedenster ungesunder Speisen in der hochwertigen ProSieben-Sendung Galileo den Zuschauern im Gedächtnis bleiben wird, kannte sich mit dem Verzehr übergroßer Nahrungsmittel aus wie kaum ein anderer Deutscher.

Reiner Calmund als Freeclimber

Während eines Extremkletter-Ausflugs mit dem langjährigen Freund Reiner “Calli” Calmund, dem erfolgreichen Fußballfunktionär, Freeclimber und “Buchautor”, hatte Schreiner sich unzureichend abgesichert und so das Risiko eines Absturzes in Kauf genommen.

In einem Moment der Unachtsamkeit verlor er die Kontrolle über seinen Körper und stürzte mehrere hundert Meter in die Tiefe. Ein Rettungsteam vor Ort konnte nur noch den Tod feststellen. Reiner Calmund beendete unter größten seelischen Qualen die Kletterpartie und begab sich danach in ärztliche Obhut.

Nahe Angehörige und Freunde stehen unter Schock, die Polizei untersucht den Fall in alle Richtungen, auch wenn sie bisher von einem Unfall ausgeht. Reiner Calmund war heute nicht für einer Stellungnahme zu erreichen.

Beiträge in der Kategorie „Total Seriöse Nachrichten” sind, wie die Bezeichnung nahe legt, nicht ganz erst gemeint. Entsprechend sollten sie auch nicht all zu ernst genommen werden.

An den Suhrkamp

Diese Geschichte ist unter anderem als Experiment für geschriebene Alltagssprache gedacht und daher etwas wirr

Jan und Sibylle

Sibylle hat sich in meinen Sohn, den Jan, unsterblich verliebt. Und weil er sie auch so gern hat, hat er ihr einen Antrag gemacht.

Weil aber die Sibylle, genau wie mein Sohn, der Jan, noch nicht mal 18 sind, hat sie abgelehnt und gesagt: Sagt sie: “Jan!” Und dann sagt sie weiter: Sagt sie: “Wir sind ja noch nicht mal 18! Wie sollen wir denn da heiraten tun?” Und da weiß der Jan, mein Sohn, auch keine Antwort drauf.

Also hat er mit der Sibylle ihrem Handy bei seinem Vater seinem besten Kumpel, dem Max, angerufen und den gefragt. Der lachte nur und sagte, dass er noch nie eine so dämliche Frage beantworten musste. Und dann hat er einfach aufgelegt, ohne zu erklären, was er meint.

Mein Sohn, der Jan, glaubte dann, er müsse den Max nochmal anrufen und genauer fragen. Er glaubte, Max hätte nur aus Versehen aufgelegt.

Doch der Max lachte beim zweiten Telefonat noch mehr und sagte schon gar nichts mehr, sonder lachte und lachte und lachte. Da wurde es dem Jan, meinem Sohn, zu bunt und er schrie: “Max! Du bist böse!”
Und dann legte er — zufrieden mit seiner schlagfertigen Antwort — auf. Als ihn Sibylle aber fragend anschaute, merkte er, dass etwas nicht stimmte. Ach ja! Er war jetzt kein bisschen schlauer als vor dem Telefonat.
“Schwesterherz! Wir müssen uns etwas anderes überlegen. Keiner will uns helfen!” …

Ähm, halt. Irgendwie läuft das aus dem Ruder, lieber Suhrkamp-Verlag. Ich versuch’s nochmal. So geht das ja nicht (kopfschüttel). Oder halt, besser. Ich versuch’s mit was ganz anderem. Die Leute stehen ja immer auf Krimis. Also will ich mal einen Krimi erzählen tun. Hoffentlich wird der spannend.

Ach übrigens: Wenn ich dann berühmt bin, dann will ich einen eigenen Preis haben. Allerdings nicht den Inge-Preis, das klingt nicht so gut. Extra für so einen Preis lege ich mir ein Pseudonym zu. Mein Pseudonym wird sein: Pseudo Num. Das ist furchtbar wortwitzig und trotzdem irgendwie originell!

Der Preis heißt dann entsprechend: Pseudo-Num-Preis!

Jetzt aber der Krimi.

Oh je, Josefine

Josefine saß auf dem Thomas seinen Kopf und weinte. Sie hatte ihrer Tochter ihren Peiniger fast umgebracht. Erst hatte sie ihm mit der Axt in den Rücken gehackt, dann war sie mit der Schere auf seinen Hals losgegangen. Als er dann immer noch nicht sterben wollte, hatte sie ein Kissen genommen, es über seinen Kopf gelegt und sich drauf gesetzt. Seitdem saß sie also da und weinte vor sich hin.

Plötzlich kam Jessica, der Josefine ihre Tochter, herein. Aus ihrem Blickwinkel konnte sie nur sehen, dass ihre Mutter, die Josefine, auf einem Kissen saß. Der Thomas-Peiniger lag so komisch eingeklemmt zwischen einer Couch und einem Sessel. Sagt sie: “Warum sitzt du denn nicht auf dem Sessel oder der Couch, sondern so eingequetscht dazwischen, Mutter?” Und da sagt die Josefine: Sagt sie: “Na weil!”

Auf diese schlagfertige Antwort kann der Josefine ihre Tochter nichts mehr erwidern und gibt sich geschlagen. Also setzt sie sich auf die Couch und schließt erschöpft ihre Augen.

“Hast du den Thomas gesehen, den widerwärtigen Schläger-Thomas?”, fragt Jessica mit eher wenig Interesse.
“Mmglmbg … ghmlgrmbl …” kommt aus Richtung der Josefine.
“Sag mal, Mama, alles in Ordnung mit dir? Hast du deine Pillen für heute genommen?”

“Ja, doch, Kindchen”, sagt die Josefine, “Ich nehme immer meine Pillen” Dann fällt ihr aber auf, dass es schlauer wäre, das Gemurmel von der Jessica ihrem Peiniger zu erklären.
“Aber weißt du, mein Kind, manchmal helfen die Pillen nicht ganz. Dann kommt da halt immer noch was nach” “Ach so”

Josefine laufen schon ein paar Schweißperlen über die Stirn, weil die Situation so anstrengend ist. Fieberhaft überlegt sie, wie sie aus der ganzen Sache heraus kommt. Sie weiß ja, dass sie ihrer Jessica nicht verraten darf, was passiert ist, weil sie den Peiniger-Thomas, auch wenn der total böse ist, trotzdem ganz viel lieb hat.

Gerade, als ihr fast eine Idee kommt, schaut der Herr Kommissar herein. Der sagt: Sagt er: “Ich stand gerade vor diesem Haus hier und dachte, ich komme einfach mal herein!”
“Das ist ja ein Zufall, Herr Kommissar, dass sie gerade vor unserem schönen Haus … und so” “Soll ich wieder gehen? Ich mein, sie haben mich ja nicht gebeten, hier herein zu kommen. Ihre offene Tür ist nur so einladend”
“Ja, das kann ich verstehen”, erwidert Josefine mit bemühtem Lächeln.
“Ich hab gehört, Josefine, dass Sie eine großartige Kurzroman-Autorin sind?”
“Ja, das stimmt. Stand erst gestern in der Zeitung”
“Soso. Und haben Sie gerade was zu Lesen für mich da?”
“Äh, gerade ist schlecht. Ist alles vergeben, verborgt und so”
“Oh, das ist aber schade. Vielleicht ja ein anderes Mal”
“Sicher, … sicher. Wenn Sie dann aber vielleicht doch wieder gehen wollen? Ich würde gern etwas Zeit mit der Jessica, meiner Tochter verbringen. Wir sehen uns so selten”

Da hakt der Josefine ihre Tochter, die Jessica, ein: Sagt sie: “Das stimmt doch gar nicht! Ich bin fast jeden Tag hier!”
Bei dieser Erwiderung zerfällt der Josefine ihr Grinsen. Der Kommissar wittert, dass etwas nicht stimmt. “Sagen Sie, Josefine, warum sitzen sie eigentlich so ungemütlich zwischen Couch und Sessel? Da ist doch Platz genug!”
“Tja, Herr Kommissar. Das ist Yoga. Ich mache mich frei von den Annehmlichkeiten des Lebens und sitze hier auf meinem Kissen, bis mir der Hintern weh tut. Wenn ich dann wieder auf der Couch sitze, dann weiß ich den Luxus in meinem Leben besser zu schätzen”

Der Komissar wiegt den Kopf hin und her, aber irgendwie gefällt ihm diese seltsame Geschichte.
“Also gut, Josefine. Ich will dann mal”, sagt der und dreht sich zur Tür. Leider ist ein bisschen Blut auf den Boden vor der Tür gespritzt, was bisher keiner mitbekommen hat, und der Kommissar rutscht unglücklich aus. Mit einem Schrei fällt er um und bricht sich an einem Hocker, der in der Nähe steht, das Genick, so wie Hilary Swank in dem großartigen Film Million Dollar Baby, diesem Film wie wo die eine Boxerin spielt. Jedenfalls sieht es so aus.

Total in Panik springt die Josefine auf und rennt zum Kommissar. Die Jessica bleibt auch nicht cool und öffnet wieder ihre Augen. Blöderweise sieht sie dabei sofort, worauf die Josefine die ganze Zeit gesessen hat und schreit und weint sofort los. Irgendwie macht das die Josefine gerade total verrückt. Und weil sie die Pillen in Wirklichkeit seit einer Woche nicht mehr genommen hat, dreht sie frei und schlägt ihrer eigenen Tochter ins Gesicht, damit sie Ruhe gibt. Und tatsächlich fällt sie um und bleibt mir einer kleinen, aber immer größer werdenden Blutlache am Kopf liegen.

Der Jessica ihr Peiniger liegt immer noch unter dem Kissen und ist immer noch nicht tot. Also geht sie erstmal in ihr Schlafzimmer und legt sich ein paar Stunden aufs Ohr, damit sie wieder Kraft sammeln kann für das, was da noch kommen tun mag.

Nach vier Stunden wacht sie auf, weil ihr jemand am rechten Bein zieht. Da ist der Thomas-Peiniger. Der ist irgendwie ans Bett gekrochen und will irgendwas.

Aber weil es der Peiniger ist, kann Josefine ihm das nicht durchgehen lassen. Also zieht sie ihn zurück ins Wohnzimmer, wo er vorher lag. Viel wehren kann er sich dabei ja nicht, weil er eben fast tot ist.

Die Blutlache an der Jesscia ihrem Kopf ist leider viel größer geworden. Vielleicht stimmt da was nicht. Also geht die Josefine zur Jessica und tritt ihr gegen das Schienbein. Da passiert nichts.

Noch einmal tritt sie ihr gegen das Schienbein, aber es tut sich immer noch nichts. Dann wird sie wohl tot sein, denkt sich die Josefine. Dann muss ich sie verschwinden lassen, denkt sie, und den Peiniger-Thomas und den Kommissar, damit niemand sauer wird.

Erst jetzt fällt ihr auf, dass der Kommissar fehlt. Wo ist der denn hin mit seinem gebrochenem Genick? Die Hilary Swank ist doch auch nicht einfach so wieder aufgestanden.

Zu viel mehr Nachdenken kommt sie aber nicht, denn da kommt der Kommissar schon mit Polizisten in den Raum, die nehmen ganz schnell die Josefine fest und schauen sich den Thomas-Peiniger und die Jesscia an.

“Josefine!”, ruft der Kommissar, “Du hast schon wieder deine Pillen nicht genommen, oder!”
“Ja, das muss ich leider zugeben, Herr Kommissar”, gibt die Josefine kleinlaut zu. Schon beim letzten Mal lief alles schief, als sie ihre Pillen nicht genommen hatte.
“Tschuldigung!”
“Das wird ein Nachspiel haben”, sagt der Kommissar und hält sich dabei seinen schmerzenden Hals fest.

Epilog

Sowohl der Thomas-Peiniger als auch die Jesscia wurden ins Krankenhaus gebracht und konnten gerettet werden. Der Kommissar hatte sich gar nicht das Genick gebrochen.

Josefine musste wieder ihre Pillen nehmen und versprach hoch und heilig, dass sie das nicht wieder vergessen wird.

Diese Geschichte ist eine leicht angepasste Version des Originals, das im Januar 2010 auf nursokram.de erschien

Grillen grillen

In seinem Hirn spukte es seit einigen Monaten. Dank des abgelegenen Häuschens in abgelegener Gegend in einer fast verlassenen Region des Landes, ohne Familie, Freunde und Nachbarn, stieg ihm die Einsamkeit schmerzhaft gelassen zu Kopf.

Eines schönen Sommertages schien es in seinem Kopf fast hörbar zu knacken, dann verließ ihn seine Widerstandskraft gegenüber der stetig auf ihn einstürzenden Naturgeräusche. Das Zirpen der Grillen drang in sein Bewusstsein vor und begann ihn zu betäuben.

Ein alkoholisches Getränk nach dem anderen trinkend versuchte er, sich von dem ohrenbetäubenden Lärm der Grillen abzulenken.

Einige Stunden vergingen. Seine Nervosität stieg zusammen mit seinem Blutdruck in ungeahnte Höhen. Zur Ablenkung sang er ein geistreiches, eigens erfundenes Lied mit dem Titel „Ich will Grillen grillen“. Die erhoffte Ablenkung wollte dennoch nicht eintreten.

Die Nervosität wurde zur inneren Unruhe. Er verriegelte Türen und Fenster, begab sich ins Bett und drückte sich das Kopfkissen energisch auf den Hinterkopf.

Normalerweise konnte er dadurch die Grillen aussperren. Aber diesmal waren sie nicht zu verscheuchen, sie waren noch immer zu hören.

Nach zwei Stunden ohne Ruhe sprang er mit hochrotem Kopf und zusammen gebissenen Zähnen auf, rannte ins Bad und wusch sich ausgiebig das Gesicht, bis er sich etwas beruhigt hatte. Minimal erleichtert legte er sich zurück ins Bett und wartete auf den Schlaf.

Erst erneut nervös, bald verärgert, dann wütend wälzte er sich im Bett und forderte den Schlaf auf, ihn endlich zu holen. Als er nach zwei Stunden einsehen musste, dass er nicht kommen würde, stand er auf und begab sich wieder vor die Tür.

Die Luft war weniger warm; die Nacht lag über dem Land. Kraftlos ließ er sich auf einem Stuhl nieder. Der Schweiß rann ihm nach kurzer Zeit von der Stirn. Er schwitzte am ganzen Körper.

Die Grillen zirpten. …

Die Kettensäge, kühles Metall.
Das Auto. Fahrt durch die kühlende Nacht mit offenem Fenster. Wenn nur das Zirpen nicht wäre!
Nächste Siedlung. Nächste Siedlung. Stadt. Größere Stadt. Kein Zirpen, kein Getier.

Ein abgelegenes Haus. Niemand öffnet.

Ein weiteres abgelegenes Haus.
„Ich muss mit Ihnen sprechen“
„Nein, das müssen Sie nicht. Gehen Sie“

Ein weiteres abgelegenes Haus.
„Ich wollte ihnen etwas sagen“
„Ja?”
„Können wir das drinnen besprechen?”
„Nein“

Noch ein abgelegenes Haus.
„Ich bin dein verschollener Bruder“
„Sind Sie nicht, Sie Idiot!”

Ein weniger abgelegenes Haus.
„Hallo. Ich bin von der Kabelfirma. Ihr Kabelanschluss scheint ein Problem zu haben“
„Gut, dass Sie da sind. Ich warte schon den ganzen Tag auf sie“

Er betritt das Haus. Es ist alt und unrenoviert. Der alte Herr, der es bewohnt, lächelt bemüht.
„Wo ist denn ihr Fernseher?”
„Kommen Sie mit, ich zeige es Ihnen“, sagt der alte Mann und führt ihn ins Wohnzimmer.
„Ihr Fernseher? … Hier ist keiner!”
Der Besucher lässt den Blick schweifen. Keine Tapete an den Wänden, eine fleckige Matratze auf dem Boden, ohne Bezug, mit Kissen und Decke, die der fleckigen Matratze in nichts nachstehen. Auf einem klapprigen Stuhl steht ein altes Radio.
„Fernseher? … Mein junger Freund, ich habe keinen Fernseher. Dafür habe ich aber ganz andere, viel interessantere Dinge“, sagt der Alte und nickt dabei verschwörerisch.
„Meinen Sie? Ich glaube, ich sollte wieder gehen. Ich muss mich wohl in der Tür geirrt haben“, entgegnet der Besucher.
„Glauben Sie? Ich denke, es war Schicksal, dass Sie gerade an meiner Tür geklingelt haben“
“… ?”

Damit ist das Gespräch für den Alten vorerst an einen unterbrechbaren Punkt gelangt. Eilig verlässt er das Zimmer, kommt aber nur wenige Sekunden später mit einer Kettensäge in der Hand wieder.

„Schauen Sie, mein junger Freund. Auch ich habe eine Kettensäge!”, rief der Alte aus. Der Besucher zuckte unwillkürlich zusammen. „Und das allerbeste: Man kann sie an einem Knopf anschalten, ganz anders als diese altmodischen Geräte, an denen man herum zerren muss.

Unaufgefordert drückte er den Schalter seiner überproportional großen Kettensäge. Sie sprang ohne Probleme an und machte sofort einen ohrenbetäubenden Krach.

„Ich will Ihnen natürlich nicht vorenthalten, wie diese Säge funktioniert!”, schrie der Alte mit sich überschlagender Stimme. Wie ein kleiner Junge stand er da und fuchtelte mit der Kettensäge herum.
„Machen Sie das Ding aus! Das bringt doch nichts!”, erwiderte der Besucher und umklammerte seine eigene Kettensäge.
„Sie habe gar nichts zu melden, junger Mann. Ihre kleine Kettensäge, die Sie da mit sich führen, ist kaum der Rede wert!”
„Wie Sie meinen!”, schrie der Besucher.
„Machen Sie jetzt die Kettensäge aus und lassen Sie mich gehen!”
Der Alte schaltete tatsächlich die Säge aus und machte eine einladende Geste Richtung Tür.
„Aber natürlich. Nach Ihnen.”