Dostojewski: Arme Leute

Der Beamte Makar Alexejewitsch Dewuschkin und die Näherin Warwara Alexejewna Dobrosjolowa haben es wahrlich nicht leicht. Der ältere Beamte, der als eine Art Dokumentkopierer des 19. Jahrhunderts Texte abschreibt, könnte sich mit seiner Arbeit leidlich über Wasser halten, wenn er keine Schwäche für Alkohol und junge Frauen hätte.

Die Näherin hingegen stürzt unvorbereitet und schuldlos in die Armut, flieht vor einer garstigen Verwandten, die ihr kein guter Ersatz für die verstorbenen Eltern sein kann. Ihre unbeschwerte Kindheit wird mit dem Umzug nach St. Petersburg und den finanziellen Problemen des Vaters beendet.

Die eigentliche Geschichte wird indirekt mit Briefen erzählt, in denen sich die beiden auf dem Laufenden halten. Makar umschmeichelt Warwara dabei ständig mit Kosenamen, Umschreibungen und Geschenken.

Warwara lässt es sich ein Weile gefallen, doch nach einiger Zeit spitzt sich die jeweilige Lage drastisch zu. Es wird klar, dass Makar sich finanziell komplett verausgabt hat, um Warwara zu beeindrucken. Sie leidet hingegen an Schwäche und kann ihren Tätigkeiten oft nicht nachgehen. Zwar machen Makars Briefe ihr Leben etwas erträglicher, aber das ändert sich, als sie das wahre Ausmaß Warwaras Probleme bescheid weiß. Letztlich muss sie selbst Geld an Makar schicken, um diesem das Nötigste zu ermöglichen, während sie selbst kaum genug Geld zur Verfügung hat.

Der Konflikt löst sich erst, als Makar Geld von seinem Vorgesetzten zugesteckt bekommt, während Warwara sich unabhängig davon verpflichtet, eine Zweckehe mit einem ungehobelten Gutsbesitzer einzugehen, um überhaupt eine Perspektive zu haben. Sie verlässt mit ihm die Stadt.

Hätte sich Dostojewski allein mit dem Schmücken dieser Handlung beschäftigt, wäre das Buch sicherlich kaum lesenswert. Die Details machen den Unterschied.

Dostojewski porträtiert das Leben bitterarmer Menschen im städtischen Leben Russlands im 19. Jahrhundert. Wer vergessen haben sollte, dass Armut ein hohes Sterblichkeitsrisiko mit sich bringt, wird durch dieses Buch deutlich daran erinnert, dass arm sein damals unglaublich grausam gewesen sein muss.

Der tägliche Überlebenskampf der Figuren lassen verstehen, in welche aussichtslosen Zustände man geraten und wie aussichtslos das Leben werden kann. Wer sich in die Zeit einfühlen möchte und damit leben kann, in erster Linie mit Rückschlägen konfrontiert zu werden, dem ist das Buch zu empfehlen.

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