Jennert auf der Spur

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Obwohl Jennert seinen Kommunikationschip nur selten und mit hoher Verschlüsselung benutzte, kamen sie ihm nach 11 Jahren endlich auf die Schliche. Die jahrelange Auswertung der Kommunikation verschiedener wahrscheinlicher Satelliten machten eine Ortung schließlich möglich.

Jennert hatte etwa einmal im Monat Datenaustausch mit seinen Mitverschwörern betrieben. Durch die Seltenheit der Transfers war die Kommunikation bisher nicht aufgefallen. Man hatte nicht vermutet, dass die Verschwörer eher große Datenmengen in einem kleinen Zeitfenster schicken würden, statt sich oft kurz auszutauschen.

Eine zielgerichtete Suche mit den richtigen Annahmen hatte immer noch ein Jahr in Anspruch genommen, aber zumindest war diese Suche von Erfolg gekrönt. Man suchte nun nach auffälligen Spitzen in den Transfers, auf die wochenlange Pausen folgten.

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Ein Suchtrupp wurde an die ermittelten Koordinaten geschickt und fand eine asphaltierte Straße aus dem letzten Jahrtausend vor. Sie war zu großen Teilen von der Natur zurückerobert worden und gab sich erst zu erkennen, als der Trupp darauf stand. Vom Gesuchten fehlte jede Spur.

Genau genommen befand sich gar nichts in der unmittelbaren Umgebung, was auf Menschen hinwies. Einige Meter entfernt begann ein Wald, der seit Jahrzehnten nicht mehr von Menschenhand verändert wurde. Umgefallene Bäume und wirres Gestrüpp zeugten davon, dass der Wald sich frei entfalten konnte. Auf der Wiese vor ihm lagen verschiedene Äste und vereinzelt Laub.

Nach einigen Stunden wurde die Suche abgebrochen und die bisherigen Ergebnisse infrage gestellt. An den gefundenen Koordinaten war nichts zu finden. Es gab viel Geschrei, Anschuldigungen und ein paar Entlassungen. Die Zielsuche wurde wiederholt, um Jennerts wirklichen Standort ausfindig zu machen.

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Nach zwei Monaten akribischer Suche unter Hochdruck wurden erneut Ergbnisse auf den Tisch gelegt. Die neue Suchmannschaft kannte den alten Zielort nicht und wurde so gelenkt, dass sie nicht die selben Fehler wie ihre Vorgänger machen würden. Dennoch blieb letztlich nur der Schluss, dass Team 1 sich keineswegs vertan hatte. Die Asphaltstrecke war definitiv richtig als ein Endpunkt der Verschwörerkommunikation erkannt worden.

Hastig machten sich Suchtrupps auf den Weg, um die Gegend erneut zu untersuchen. Mit dem Wissen, dass auf der ehemaligen Straße etwas zu finden sein musste, suchten die Trupps noch gewissenhafter als zuvor. Nach zwei Tagen ließ sich dennoch nichts finden, was auf einen Sender oder gar Menschen hinwies.

Eine Erklärung fanden sie erst beim Überflug mit einem wissenschaftlich ausgestatteten Hubschrauber, der sonst für die Abtastung von Höhlen genutzt wurde. Der Flug ergab, dass einige Meter unter der Erdoberfläche etwas großes, solides sein musste. Ein Bunker.

Mit größter Vorsicht arbeitete sich ein Bergungstrupp daraufhin zum Bunker vor. Nebenher fanden sie ein Taschenmesser, kleine, verrottete Fahrzeugteile und drei Dosen Ravioli, die offenbar noch essbar waren. Dann stießen sie auf eine Tür.

Die Meldung verbreitete sich in Sekunden bei allen Beteiligten und sorgte für Euphorie. Was auch immer hinter dieser Tür war, würde auf die eine oder andere Weise Aufschluss über Jennert geben können. Selbst wenn er sich nicht im Bunker verschanzt hatte, konnte sein Bunker wichtige Informationen bieten. Mit noch mehr Vorsicht wurde die Tür geöffnet und der Innenraum zum ersten Mal geprüft.

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Mit großer Enttäuschung wurden die Videoaufnahmen, die live an die Einsatzführung geschickt wurden, zur Kenntnis genommen. Im Raum befand sich auf den ersten Blick nichts. Die feuchten, unansehnlichen Wände des Bunkers ließen keinen Zweifel daran, dass hier seit Monaten kein Mensch untergekommen sein konnte. Dennoch suchten sie den Raum genau ab und nahmen präzise Messungen vor, um zumindest überhaupt Erkenntnisse sammeln zu können.

Der Führungsstab verlor nach einer weiteren Woche ohne nennenswerte Erkenntnisse bei der Erkundung der Gegend und des Bunkers die Geduld und bestimmte, dass noch ein Tag Untersuchungen durchgeführt werden durften, aber danach mit dem Rückzug zu beginnen sei.

Die meisten Männer des Suchtrupps gaben sich innerlich geschlagen und witzelten über die verschwendete Zeit, als etwas Unvorhergesehenes geschah. Während ein Techniker in einer Ecke des Bunkers mit einem unüblichen Funksuchgerät arbeitete, wurde spontan ein kleiner schwarzer, kugelförmiger Gegenstand sichtbar. Bei genauerer Betrachtung stellte sich heraus, dass er von einer Art Sichtschutz vor den Augen der Betrachter geschützt wurde. Das Messgerät des Technikers hatte diesen Schutz durch den Messvorgang offenbar aufgehoben.

Die Einsatzleitung wurde informiert und die euphorische Stimmung von vor Wochen kehrte zurück. Der Techniker wurde angewiesen, mit seinem Messgerät vorsichtig weitere Teile des Raums zu erkunden.

Wie erhofft wurden andere Sichtschutzanlagen überwunden und weitere kugelförmige Gegenstände sichtbar. Nachdem in drei von vier Ecken eine Kugel gefunden wurde, hielt der Techniker inne. Etwas störte ihn.

Die Pause wurde von den Kollegen missbilligt. Es sollte weitergehen. Also überging der Techniker seine Zweifel und prüfte die letzte Ecke des Raums. Während die nächste Kugel sichtbar wurde, fiel dem Techniker ein, was ihm aufgefallen war. Ein leises Summen war an seine Ohren gedrungen, gerade leise genug, um ihm kaum aufzufallen. Mit dem Erscheinen der letzten Kugel wurde das Summen jedoch deutlich lauter und nahm an Intensität zu.

Noch bevor er seinem Unbehagen Ausdruck verleihen konnte, wurde der Bunker von einer Explosion zerrissen. Die Mission war kläglich gescheitert.

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