Die neue Workload-Balancing-Strategie

Der frisch angestellte J. hielt eine Rede für die ihm zugeteilten Mitarbeiter. Er bereitete sich gründlich vor; es sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Sorgsam wog er jedes Wort ab und verglich es mit anderen, möglicherweise besser passenden, sprach Wortgruppen und Formulierungen mit verschiedenen Betonungen. Schließlich war er zufrieden.

Im Firmen-Newsletter der Maschinenbaufirma C. würde man später lesen:

In seiner Antrittsrede für seine Stelle als Stellvertreter des Assistenten des Senior Creative Architecture Lead Professional brachte J. eine optimistische Vision einer transparenten Work Creativity zum Ausdruck und bedankte sich für das Vertrauen in seine Leverage-Fähigkeiten, die ihn zu einer promising Deal-Change-Personality machen.

Mit positiver Ausstrahlung präsentierte er seine Visions für approval-basierte Verbesserungszyklen und strukturiertes Time-Management für effektive Workload-Balancing-Strategien.

Die ihm untergebene Zuhörerschaft, bestehend aus zwei stirnrunzelnden Ingenieuren, vier irritierten Näherinnen und einer eingeschlafenen Textildesignerin konnte ihm nicht folgen und man schaute einander ratlos an (die Textildesignerin ausgenommen, sie schlief weiter).
Am nächsten Tag wurden alle Zuhörer gekündigt und J. befördert (ohne Gehaltserhöhnung, neuer Job-Titel noch in Arbeit). Die Begründung begann mit:

Wie Ihnen J. bereits mitteilte, ist in unserem Unternehmen für Ihre Tätigkeit kein Platz mehr. Sie können uns für diese plumpe Aussage durchaus verklagen, sollten sich jedoch im Klaren darüber sein, dass Sie gegen ein Unternehmen unserer Größe wenig erreichen können und im besten Fall einen Job als „Erkundungsassistent Südwestwinkel“ im Schichtdienst in unserem fensterlosen, höchst beliebten „Zimmer der Verdammten“ zugeteilt bekämen, sollten Sie die Dreistigkeit besitzen, uns zu einer Anstellung Ihrer Person zu nötigen.

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