Fragwürdige Wetten

Immer, wenn ich in Gedanken zur atomaren Auslöschung gelange, kommt Gott besorgt vorbei und fragt nach, was es mit diesen spezifischen Ängsten auf sich hat.

Ich glaube, dass er einen atomaren Ausrutscher für eine der wahrscheinlichsten Sudden Deaths der Menschheit hält. Irgendein Irrer ordnet nach einem missverständlichen Tweet die Torpedierung eines fremden Landes an und bringt den kurzen, aber effektiven 3. Weltkrieg in Gang.

Ich hatte Gott schon eine Weile nicht mehr gesehen und war erstaunt, als ich ihn durch die Decke schweben kommen sah. Ich habe an meinen Falten gearbeitet, konterte er meinen erstaunten Gesichtsausdruck. Und du brauchst dich auch gar nicht bei mir beschweren, dass sich deine Falten jedes Jahr tiefer in deine Haut graben.

Ich würde gerne wieder eine sinnlose Diskussion zum Thema Was ich wirklich will anfangen, aber ich weiß jetzt schon, dass er sich wieder herauswinden wird und ich mich schlecht dafür fühle, das Thema überhaupt angesprochen zu haben.

In einer stillen Stunde verriet er mir, dass er sich nur um eine Möglichkeit mehr Sorgen mache: Meteoriten. Die kommen einfach, egal wie nett oder barbarisch die Menschen gerade miteinander umgehen. Er hat ein paar Wetten bei einem Buchmacher seines Vertrauens am Laufen, bei denen es darum geht, ob die Menschen bis zu diesem Zeitpunkt einen anderen Planeten kolonialisiert haben oder nicht.

Ob er auch auf die atomare Auslöschung der Menschheit wette, fragte ich ihn. Er schaute mich durchdringend mit seinen gütigen Augen an. Eine kleine Falte bildete sich spontan auf seine Stirn, eine ganz schmale zwischen den Augen.

Damit hatte ich mein Ziel für heute erreicht.

6 Kommentare

  1. Gott ist schon witzig. Da glaubt man Politik sei langweilig, und schon bekommt man eine nuschelnde Orange 🍊 mit Toupet.

    Ob Gott sich beömmelt dass aus seinen Schriften Dutzende Subreligionsgruppen wurden die sich um die Rechthaberei kloppen?

    Ich vermute ja, dass Gott mit Absicht und kindischer Freude den Evolutionsprozess erfand, dass sich Dinge selber organisieren, einfach um zu schauen was daraus wird: Ein smarter Japaner, ein fetter Amerikaner, ein Regenwurm, ein Downsyndromkranker…Einfach aus Freude an der Freude..

    Vlt aber war Gott noch witziger und machte den Leuten Glauben es gäbe einen Gott der eine heilige Schrift hinterliess – tat er, der Wahrhaftige, aber nie. Und nun lacht er sich eckig über die Menschen die an eine olle Bibel glauben, daraus Kriege ableiteten und das 500 jährige Jubiläum feiern.

    👴👵

    1. Interessantes Gedankenspiel. Vielleicht meldet sich dieser Gott ja eines Tages mal zu Wort und erzählt uns etwas über seinen Sinn für Humor. Oder vielleicht ist er ein Zyniker oder Sadist und lässt die Sache bis zum bitteren Ende weiterlaufen?

  2. Ich halte einen atomaren Ausrutscher nicht für den wahrscheinlichsten Grund für einen Sudden Death of Mankind (aber ich bin halt auch nicht Gott), obwohl ich zugeben muss, dass ich ganz schön irritiert davon war, dass der Präsident der mit uns Mitteleuropäern eng verbündeten Vereinigten Staaten von Amerika drauf und dran war, aus Dummheit einen Krieg in Korea vom Zaun zu brechen, den eigentlich gar niemand will.

    Einen atomaren dritten Weltkrieg zwischen Menschen würden aber ziemlich viele überleben, denke ich. Selbst wenn sich alle derzeitigen Atommächte in die Haare bekämen und ihre Bündnispartner ebenfalls mit Nuklearwaffen pflasterten – warum sollten sie sich beispielsweise darum kümmern, Ruanda sorgfältig auszulöschen? Die Krebsrate unter den Übriggebliebenen würde vermutlich steigen, dennoch sollte man die Situation meistern.

    In Sachen von Menschen geschaffener Bedrohungen für unsere komplette Spezies hätte ich mittelfristig mehr Sorgen vor einem von Fanatikern geschickt zusammengebastelteten tödlichen Virus mit längerer Inkubationszeit (biologische Waffe) sowie vor einer hinreichend mächtigen selbstoptimierenden künstlichen Intelligenz (siehe technologische Singularität).

    1. Wie man zum Beispiel beim Spiel Plague Inc. feststellt, ist das Erstellen eines fiesen Ausrottungsinstrument gar nicht so leicht ;-). Aber vielleicht ändert sich das ja bald, wenn die Antibiotikaresistenzen ein kritisches Niveau erreichen.

      Bei den künstlichen Intelligenzen bin ich mir mittlerweile gar nicht mehr so sicher, ob sie allzu intelligent sein müssen, um die Menschheit in Gefahr zu bringen. Vielleicht ist es auch wieder ein Ausdruck des menschlichen Egos, den unmenschlichen Auslöscher auf gottgleicher Ebene zu sehen?

      1. Ich kenne mich mit Gentechnik zwar selbst nicht aus, aber nach dem, was man hört, scheint es seit Plague Inc. nennenswerte Fortschritte gegeben zu haben: CRISPR/Cas, sodass sich jetzt auch „Garagen-Unternehmen“ in diesem Sektor gründen. Die Einstiegshürde ist gesunken. Das heißt zwar nicht, dass man schon viel davon verstehen würde, wie man Lebewesen gezielt „programmiert“. Aber Copy & Paste beherrscht man nun anscheinend effizient und kann so leicht gezielt Gene verschiedener Lebensformen in andere einbauen und schauen, was dabei herauskommt. Das eröffnet viele Chancen … und Risiken, wie das eben so ist mit mächtigen Werkzeugen.

        Dass der Sensenmann der Menschheit viel schlauer sein muss, als unsereiner, denke ich nicht. Bakterien und Viren wären ein Beispiel für dumme Varianten – und ihr Erschaffer müsste nur ein fähiger Mensch bzw. eine kleine Gruppe sein, welche an die notwendige Grundausstattung an Erregern und Technik herankommt, um sie zu modifizieren. Gruseligerweise erscheint die Einstiegshürde niedriger zu liegen als zum Beispiel für den Bau von Atomwaffen und gleichzeitig mehr Schaden anrichten zu können. Für eine gezielte Kriegsführung dürften sich biologische Waffen zwar kaum eignen, aber für Ideologen, die etwas gegen alle Menschen haben, sich selbst eingeschlossen, wäre es eine Option.

        Ich stimme dir zu, dass es nicht notwendigerweise eine allzu starke K. I. braucht, damit Technik uns kräftig wehtut, wenn wir ihr die Mittel dazu in die Hand geben – das klassische Beispiel wäre eine Weltvernichtungsmaschine à la „Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ mit einem simplen Wenn-Dann-Programm. Um sie auszulösen, bräuchte es keinen irren General, sondern nur eine fehlerhafte Interpretation von Sensordaten – soll heißen, das einprogrammierte Wenn tritt auch in Fällen ein, die man beim Programmieren nicht im Sinn hatte –, wie es schon vorgekommen ist (https://de.wikipedia.org/wiki/Stanislaw_Jewgrafowitsch_Petrow#Der_Vorfall).

        Trotzdem finde ich auch das Szenarium einer technologischen Singularität bedenkenswert – insbesondere, (1) weil es ganz ohne böse Absicht auf Seiten der Menschen funktioniert, (2) weil es niemanden braucht, der so doof ist, der Technik Waffen im engeren Sinn in die Hand zu legen, und (3) weil es da kaum eine Chance auf Gegenwehr geben könnte.
        Beim Krankheitserregerszenario kann man wohl berechtigt hoffen, dass die ersten zig Versuche von Ideologen, soetwas in die Tat umzusetzen zwar Opfer fordern würden, aber das Ziel verfehlen, sodass man sich eingehend mit der Problematik beschäftigen wird und Strategien zum Umgang damit entwickeln kann. Bei der technologischen Singularität könnte der erste Fall schon der letzte sein, der uns biologische Lebewesen betrifft.

        1. Wir hatten in unserem Hauslabor erste Bioversuche mit Knoblauch und Zwiebeln. Die katastrophalen Auswirkungen waren zu erkennen.

          Die Robots, verkleidet als Politiker, sägen auch schon an deutschlands Tischbeinen und bringen alles ins Wackeln.

          Es läuft…

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.