Ein Musikarchiv?

Ab und an überkommt es mich und ich muss etwas musikähnliches produzieren.
Vor ein paar Monaten kam mir in den Sinn, einen Remix eines Covers zum Spiel Nier: Automata zu erstellen.

Beim „Veröffentlichen“ stellte sich die Frage, wo das am besten geht. Soundcloud kam mir recht bald in den Sinn. Allerdings scheint es so, als wenn die Tage des Dienstes mehr oder weniger gezählt sind.

Vor Jahren veröffentlichte ich Tracks auf Trax In Space, aber diese Seite kann nicht mehr wirklich als lebendig bezeichnet werden. In den 90ern und frühen 2000ern war das noch anders.

Bleibt letztlich nur YouTube, weil durch Google gestützt und vermutlich auch noch für einige Jahre sehr lebendig. Andererseits ist die Seite nicht gerade für Musik bekannt. Dennoch ein akzeptabler Kompromiss.

Den Remix und weitere Tracks aus den letzten Jahren gibt also auf meinem neuen Kanal zu hören.

Stach: Kafka: Die frühen Jahre

Wann immer ich davon erzähle, wie interessant ein 600-Seiten-Buch über Kafka sein kann, ernte ich ein Grinsen oder ungläubiges Staunen. Dabei ist es mein voller Ernst. Man spürt, dass der Autor unglaublich viel Zeit in die Recherche aller relevanten Umstände investiert hat und sich dabei auch noch gut ausdrücken kann, ohne den roten Faden zu verlieren.

Dabei geht es nicht allein um das direkte Umfeld Kafkas, sondern auch um eine mehrschichtige Einordnung: Was passierte damals in Prag, in Böhmen, in Europa? Was passierte politisch und technisch? Wie hat sich Prag zu dem entwickelt, was es damals war? Welchen Stellenwert hatte Religion oder Bildung? Wie erging es Juden zu dieser Zeit?
Allein schon für die Entflechtung der Prager Geschichte lohnt es sich, den ersten Teil des Buchs zu lesen.

All diese zusätzlichen Infos helfen dabei, zu verstehen, welchen Zwängen und Ansichten sich Kafka und seine Umgebung unterordnen mussten.

Die romanhafte Erzählweise des Autors ist nicht mit der trocken wie in einem üblichen Sachbuch vergleichbar. Etwas lockerer geht es daher, aber dennoch gibt es ein paar Hürden zu benennen, die auch erklären, warum ich für das Lesen dieses Buchs Monate gebraucht habe:

  1. Der Text ist inhaltlich „kondensiertes Kondenswasser“. Während 600 Seiten in manchem Thriller in einer Nacht „erledigt“ werden können, ist das in diesem Fall absolut unmöglich, wenn man gleichzeitig den Anspruch hat, etwas verstehen und nachvollziehen zu können.
  2. Das Buch ist sehr eloquent geschrieben. Das ist sicher schön für Liebhaber der deutschen Sprache, die auch mal gerne einen Duden in die Hand nehmen, um ein weniger geläufiges Wort nachzuschlagen. Für andere ist das vielleicht weniger erfreulich.
  3. Es gibt noch zwei weitere Bänder, die nicht weniger Zeit zum Lesen verlangen, als dieser. Mit dem Abschluss (nur) dieses einen Bandes hat man einen erheblichen Teil der eigentlichen Sache (Kafka legt richtig los, wird schließlich krank etc.) noch nicht zu Gesicht bekommen.

Mir fehlen nun noch die beiden vorhergehenden Bände, aber ich bin zuversichtlich, dass sie ähnlich unterhaltsam sind wie dieser.

Sandige Grenzen

In letzter Zeit habe ich ein paar Meinungsverschiedenheiten mit Gott. Speziell geht es um das Wetter und meine – zugegeben subjektive – Ansicht, dass es schon seit geraumer Zeit ungerecht „verteilt“ wird.

Er verdreht bei Themen wie diesem regelmäßig die Augen. Er kann es nicht mehr hören. Jeder zweite beschwert sich unregelmäßig über Klima oder Wetter, berichtet er mir.

Tja, meinte ich zuletzt zu ihm, warum änderst du dann nicht mal was daran?
Es war mir so rausgerutscht, aber er antwortete nicht, denn er wusste schon, dass ich mir die Frage beantwortet hatte, bevor ich sie vollständig formulieren konnte.

Jeder mag das Wetter anders, ich weiß. Der eine will 35 Grad im Schatten, der andere 15 Grad im Regen. So ist das halt.

Trotzdem muss es einen Kompromiss geben können. Eine Variante, die bei den meisten für die meiste Zeit als akzeptabel hingenommen werden kann.

Gottes engelsgleiche Ruhe wurde durch meine Überlegungen und Vorschläge letztlich doch etwas aus dem Gleichgewicht gebracht und er sah sich genötigt, etwas zu erwidern.

Mein Sohn, du machst dir das zu einfach. Wenn ich anfange, in das Wetter einzugreifen, dann begehe ich den ersten Schritt zur Zerstörung des Experiments, dessen Teil auch du bist.
Die Experiment-Sandbox, in der du dich befindest, darf nur an wenigen Stellen von außen verändert werden, um das Experiment nicht sinnlos zu gefährden. Aber im Grunde ist alles den Wesen und Ereignissen im Experiment überlassen. So gerne ich manchmal eingreifen würde, es wäre ein Fehler.

Ich war einigermaßen beeindruckt. Mir stellten sich allerdings sofort zwei Fragen:

  1. Was sind das für Stellen, die von außen angepasst werden?
  2. Gibt es noch andere Experimente?

Gott erahnte meine Fragen wohl und lächelte allwissend. Das ist seine Art mir zu zeigen, dass ich auf diese Fragen definitiv keine Antworten erhalten würde.

Relativ Alanis

Ich glaube nicht an den Zorn, sagt mir Gott immer, wenn ich ihn frage, ob sich eine Wette auf den atomaren Untergang der Menschheit lohnt.

Darauf entgegne ich, dass es ja auch aus Versehen oder durch einen Verwirrten passieren kann.

Gott geht auf diesen Einwand in der Regel nicht ein und starrt gedankenverloren die Wand an. Diese Möglichkeit ist einfach nicht weit genug hergeholt.
Wenn ich eine Wette um den Weltuntergang durch Knuddeln abschließen wollte, würde er mich auslachen – viel zu schlechte Quoten.

In manch ruhiger Stunde spricht mich Gott auf seine Kreaturen an. Dass er viele Entwicklungs-Parameter durch DNA stark veränderlich gemacht hat, ist manchmal ein Grund kindlicher Freude, aber noch öfter für mehr Falten auf diesem unsagbar alten Gesicht. Aber das hat er sich selbst zuzuschreiben. No risk, no fun.

Als ich ihn einmal auf seine Falten ansprach, begann er zu lachen und klärte mich auf: Du siehst vielleicht Falten, aber das ist ganz deinen Erwartungen an mich geschuldet. Andere Menschen sehen mich als ein Kind, wieder andere als Alanis Morisette. Das ist alles relativ.

Damit wäre ich am zentralen Kritikpunkt meiner Konversationen mit Gott. Er relativiert alles. Nur weil er alles im Blick hat, meint er, dass man die Dinge nicht nur schwarz und weiß sehen sollte.

Ich bin aber nur ein Mensch. Ab und an sind Dinge für mich schwarz oder weiß. Vielleicht sind sie es nach einer erholsamen Nacht nicht mehr, aber dieses ständige „Alles ist relativ!“ finde ich relativ nervig.

Aber wieso beschwere ich mich. Insgesamt habe ich zu dem alten Herrn ein gutes Verhältnis. Viele haben schließlich gar keines und das muss doch ziemlich elend sein. So von Gott verlassen zu sein.

Die neue Workload-Balancing-Strategie

Der frisch angestellte J. hielt eine Rede für die ihm zugeteilten Mitarbeiter. Er bereitete sich gründlich vor; es sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Sorgsam wog er jedes Wort ab und verglich es mit anderen, möglicherweise besser passenden, sprach Wortgruppen und Formulierungen mit verschiedenen Betonungen. Schließlich war er zufrieden.

Im Firmen-Newsletter der Maschinenbaufirma C. würde man später lesen:

In seiner Antrittsrede für seine Stelle als Stellvertreter des Assistenten des Senior Creative Architecture Lead Professional brachte J. eine optimistische Vision einer transparenten Work Creativity zum Ausdruck und bedankte sich für das Vertrauen in seine Leverage-Fähigkeiten, die ihn zu einer promising Deal-Change-Personality machen.

Mit positiver Ausstrahlung präsentierte er seine Visions für approval-basierte Verbesserungszyklen und strukturiertes Time-Management für effektive Workload-Balancing-Strategien.

Die ihm untergebene Zuhörerschaft, bestehend aus zwei stirnrunzelnden Ingenieuren, vier irritierten Näherinnen und einer eingeschlafenen Textildesignerin konnte ihm nicht folgen und man schaute einander ratlos an (die Textildesignerin ausgenommen, sie schlief weiter).
Am nächsten Tag wurden alle Zuhörer gekündigt und J. befördert (ohne Gehaltserhöhnung, neuer Job-Titel noch in Arbeit). Die Begründung begann mit:

Wie Ihnen J. bereits mitteilte, ist in unserem Unternehmen für Ihre Tätigkeit kein Platz mehr. Sie können uns für diese plumpe Aussage durchaus verklagen, sollten sich jedoch im Klaren darüber sein, dass Sie gegen ein Unternehmen unserer Größe wenig erreichen können und im besten Fall einen Job als „Erkundungsassistent Südwestwinkel“ im Schichtdienst in unserem fensterlosen, höchst beliebten „Zimmer der Verdammten“ zugeteilt bekämen, sollten Sie die Dreistigkeit besitzen, uns zu einer Anstellung Ihrer Person zu nötigen.