Gott klagt an

An einem dieser fast unerträglich warmen Sommertagen kam Gott unvorhergesehen durch die Decke geschwebt.
Er fokussierte mich bereits lange, bevor er den Boden berührte, was trotz seines neutralen Gesichtsausdrucks nur eine Sache bedeuten konnte: Er hatte schlechte Laune.

Manchmal frage ich mich, begann er, warum ich euch so viele Freiheiten lasse.

Wenn Gott mich mit „euch“ anspricht, geht es nicht um etwas Konkretes, sondern um die Menschheit allgemein.

In all den Jahren, die ich euch nun schon beobachte, sehe ich immer nur zwei mögliche Entwicklungen: Entweder ihr bringt euch gegenseitig um oder ihr misshandelt eure Umwelt. Und am schlimmsten ist es, wenn ihr beides gleichzeitig macht. Weißt du, wie lange ich an Arten wie der Tobias-Köcherfliege gearbeitet habe? Und dann rottet ihr sie aus, bevor ihr sie auch nur annähernd brauchbar untersuchen könnt.

Ein wenig trotzig wurde ich schon: Wer braucht die denn schon, diese Tolidas-Kocherfliege oder wie die heißt? Wir haben doch auch so noch genug Arten, oder nicht? Wer braucht denn schon den Dodo?

Gott schaut mich etwas mitleidig an.

Kennst du den Begriff „unknown unknowns“? Das sind Dinge, von denen man nicht einmal weiß, dass man sie nicht weiß. Ich habe hingegen bereits eine einstmals lange Liste von Krankheiten und entsprechenden Stoffen, die man aus verschiedenen Pflanzen und Tieren gewinnen kann und die Überlebenschancen der Menschheit erhöhen.

Lass mich raten, die Liste ist stark geschrumpft?

Ich möchte es einmal so ausdrücken: Der Begriff „Liste“ trifft es fast nicht mehr. Ihr könntet doppelt so viele Antibiotika wie heute haben und viele zukünftige Krankheiten behandeln. Einerseits beunruhigt mich das. Andererseits bedeutet es, dass es wahrscheinlich bald wieder viel weniger Menschen auf dem Planeten geben wird und sich die Erde für eine gewisse Zeit ohne euren ständigen Einfluss entwickeln kann.

Wieso „ohne Einfluss“? Wir schaffen doch mittlerweile Nationalparks, Naturschutzgebiete und machen uns auch Gedanken um Emissionen und Nachhaltigkeit!

Gott beißt sich absichtlich auf ein Gelenk seines rechten Zeigefingers.

Ich muss mir schon Schmerzen zufügen, um bei deinen traurigen Ausführungen nicht in Lachen auszubrechen. Diese „Bemühungen“, von denen du sprichst, sind wie der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein. Eure kaputte Plastikwirtschaft, die Asphaltierung der Welt und landwirtschaftliche Monokulturen sind alles, was wirklich zählt.

Ich würde ihm gerne etwas erwidern, aber mir fallen gerade nur Dinge ein, die seinen Standpunkt nicht nur unterstützen, sondern eher noch freundlich aussehen lassen.

Okay, Gott. Und was jetzt?

Das weiß ich doch nicht! Das ist ganz allein euer Problem. Ich gebe zu, die Anlagen, die ich euch mitgegeben habe, fördern problematisches Verhalten, aber letztlich muss bei euch der Verstand über die Gier siegen.

Aha. Na dann sehe ich schwarz.

Track: Chroma

Der einfallsreiche Titel dieses meditativen Stücks stammt von diesem virtuellen Instrument (VSTi). Alle Stimmen im Stück benutzen dieses Instrument mit verschiedenen Einstellungen.

Im Gegensatz zu den meisten Stücken ist hier die Musik allerdings nicht beschleunigt (oft 2x oder 3x), um hörbar zu werden, sondern auf ca. 1/5 reduziert.

Eine Version mit Video ist auch wieder zu haben.

Track: Recamán-Folge

Jemand brachte mir dieses Video, in der man bereits eine musikalische Umsetzung der Recamán-Sequenz hören kann.

Die Sequenz klingt dort etwas düster, was auf die Nutzung der chromatischen Tonleiter zurückzuführen ist (die dafür aber ein eindeutiges Mapping zwischen Halbtönen und Zahlen der Sequenz zulässt).

Wenn man sich weiter einschränkt und nur Dur-Tonleitern zulässt, wiederholen sich einige Noten direkt hintereinander, aber die musikalische Darstellung klingt freundlicher:

Ein Video gibt es auch dazu.

Track: The Sine

Wie angedroht gibt es heute ein Stück mit Erklärungen zu hören. Dafür habe ich ein Video aufgenommen, in dem das Stück während des Abspielens im Musikprogramm angezeigt wird.

Im Gegensatz zu anderen Stücken wird die Hauptmelodie über eine Sinusfunktion erzeugt und die Länge der Noten stetig verändert. Nach einem Durchlauf (2x Pi) werden einige Variablen angepasst, sodass nicht alle Durchgänge komplett gleich klingen (sollten). Im Video gibt es noch ein paar weitere Erläuterungen (aber allzu verständlich wird es dadurch vermutlich nicht).

Track: Goodwill

Wie in dem letzten Beitrag zu generierter Musik angekündigt, folgen weitere Tracks aus der Serie generierter Musikstücke, allerdings ins umgekehrter Reihenfolge.

Heute geht es um Goodwill, einem Track, den ich extra so eingestellt habe, dass er möglichst positiv klingt. Normalerweise versuche ich, so wenige Einschränkungen wie möglich vorzunehmen, aber insbesondere bestimmte Akkorde (zum Beispiel Moll-Akkorde) und Tonleitern sind entweder deprimierend oder sehr ungewohnt. Deswegen muss ab und an ein Track her, der zumeist nur die Tonleitern C, C#, D, G und A mit Dur-Akkorden nutzt.

Track: Pointless Investigations

In den letzten Monaten habe ich immer mal wieder an einem Programm gearbeitet, das Musikstücke erzeugen kann. Die Idee kam mir, als ich mich etwas genauer mit den Grundlagen „westlicher Musik“ auseinandersetzte. Sehr hilfreich war dabei das Buch A Geometry of Music von Dmitri Tymoczko.

Vieles, was man aus dem Bereich Klassik, Jazz und zum Teil aus der Popmusik kennt, ist im Grunde sehr ähnlich. Es werden oft die gleichen Tonarten und Akkorde, ja sogar bestimmte Akkordfolgen benutzt. Sehr eindrucksvoll kann man das zum Beispiel an diesem Video sehen.

Also habe ich ein Programm geschrieben, das bestimmte Grundlagen berücksichtigt, alles andere aber in gewissen Grenzen dem Zufall überlässt. Zu meinem Erstaunen waren die ersten Stücke überwältigend komplex. So komplex, dass ich mit der Zeit einige Vereinfachungen hinzugefügt habe, die in erster Linie die Wahrscheinlichkeit für Wiederholungen erhöht. Trotzdem ist die Komplexität der erzeugten Stücke immer noch sehr hoch und meistens sind nur kleine Teile ansprechend genug, um sie aufzubewahren.

Ein Beispiel für ein recht aktuelles Stück ist dieser Jazz-Track:

Die Noten wurden vom Programm erzeugt und in Reaper mit passenden Samples abspielbar gemacht.